Entains strategischer Kurswechsel: Der Entain CEE Verkauf erklärt
In einem überraschenden Schritt zieht sich Entain aus seinen erfolgreichen Operationen in Mittel- und Osteuropa zurück. Das Unternehmen hat einen vollständigen Ausstieg aus Entain CEE eingeleitet, welche den polnischen Marktführer STS Poland und den kroatischen Champion SuperSport Croatia kontrolliert. Dieser Prozess beginnt mit dem Verkauf eines 20%-Anteils an seinen Joint-Venture-Partner EMMA Capital für rund 425 Millionen Euro.
Die Entscheidung erfolgt trotz der starken finanziellen Performance der CEE-Einheit. Im Jahr 2025 erwirtschaftete Entain CEE einen Netto-Spielumsatz (Net Gaming Revenue) von 522 Millionen Pfund und ein EBITDA von 183,7 Millionen Pfund, beides ein Anstieg von 7% gegenüber dem Vorjahr. Der Hauptgrund für diesen strategischen Wechsel ist der starke finanzielle Druck im Vereinigten Königreich, wo die Fernspielsteuer (Remote Gaming Duty) kürzlich von 21% auf 40% erhöht wurde.
CEO Stella David beschrieb den Deal als einen ersten Schritt zu einem vollständigen Ausstieg und betonte das Engagement des Unternehmens für „robuste Kapitalallokationsdisziplin“. Die Erlöse sind für den Schuldenabbau vorgesehen, wodurch voraussichtlich jährlich rund 20 Millionen Pfund an Zinszahlungen eingespart werden. Der Abschluss der Transaktion wird für Q4 2026 erwartet.
Das polnische Marktparadoxon
Entains Begeisterung für seine CEE-Vermögenswerte, insbesondere die Akquisition von STS im Wert von 750 Millionen Pfund im Jahr 2023, basierte teilweise auf der Aussicht, dass Polen seinen Online-Casino-Markt liberalisieren würde. Dies ist jedoch nicht geschehen, was eine erhebliche Einschränkung für das Geschäft darstellt. Der polnische Markt bleibt ein staatliches Monopol für Online-Casinos, was die potenziellen Synergien, die Entain erzielen könnte, begrenzt.
Marek Plota, ein Glücksspielanwalt bei RM Legal, nennt Polen „einen paradoxen Markt“. Er merkt an, dass das Sportwettenmodell trotz einer herausfordernden 12%-Steuer auf Einsätze gut funktioniert, die fehlende private Online-Casino-Struktur jedoch das Potenzial für Betreiber wie Entain begrenzt.
Darüber hinaus hat sich der Wettbewerb verschärft, wobei Entains CFO Rob Wood im zweiten Quartal 2025 einen Verlust von Marktanteilen in Polen einräumte. Wettbewerber wie Betclic und Superbet sollen STS um die Spitzenposition herausfordern. Dieses herausfordernde Umfeld, kombiniert mit der unerfüllten Hoffnung auf eine Regulierungsreform, erklärt die Logik hinter dem Entain CEE Verkauf.
Banijay Gamings Expansion: Ein neues französisches Kraftpaket
Während Entain konsolidiert, befindet sich Banijay Gaming auf einem aggressiven Expansionskurs. Das Unternehmen hat dem Kauf von Groupe JOA, Frankreichs zweitgrößtem landbasierten Casino-Betreiber, zugestimmt. Diese Groupe JOA Übernahme wird Banijays wachsendes Portfolio um 33 Casinos und eine bedeutende Einzelhandelspräsenz erweitern.
Im Jahr 2025 begrüßte Groupe JOA 4,6 Millionen Besucher und generierte ungefähr 430 Millionen Euro Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue). Diese Akquisition ist ein wichtiger Bestandteil von Banijays Omnichannel-Strategie, die darauf abzielt, ein nahtloses Erlebnis zwischen seinen digitalen und physischen Angeboten zu schaffen. Der Schritt folgt auf die jüngste Übernahme von Tipico und die Fusion mit Betclic, wodurch ein beeindruckendes europäisches Glücksspielunternehmen entsteht.
Dieser Deal könnte auch ein entscheidender Moment für die niederländische Glücksspielregulierung und ihr französisches Pendant sein. Indem ein großer landbasierter Betreiber unter das Dach eines digital ausgerichteten Unternehmens gebracht wird, könnte die Akquisition die politische Dynamik rund um die Legalisierung von Online-Casinos in Frankreich verschieben, ein Thema, das zuvor auf Widerstand von Einzelhandels-Casinogruppen stieß.
| Kennzahl | Entain CEE (2025) | Groupe JOA (2025) |
|---|---|---|
| Jahresumsatz/GGR | £522 Millionen (NGR) | ~€430 Millionen (GGR) |
| EBITDA | £183.7 Millionen | Nicht offengelegt |
| Schlüsselvermögenswerte | STS (Polen), SuperSport (Kroatien) | 33 landbasierte Casinos in Frankreich |
Wichtiger Regulierungssieg für Betreiber in den Niederlanden
In weiteren wichtigen europäischen Nachrichten lieferte der Oberste Gerichtshof der Niederlande ein entscheidendes Urteil, das zahlreichen großen Betreibern zugutekommt. Das Gericht erklärte, dass Glücksspielvereinbarungen, die vor der Regulierung des Marktes im Oktober 2021 getroffen wurden, gültig sind. Diese Entscheidung hindert ehemalige Spieler effektiv daran, historische Verluste zurückzufordern, die entstanden sind, als die Betreiber im Graumarkt des Landes aktiv waren.
Das Urteil schafft Rechtssicherheit und finanzielle Erleichterung für Unternehmen wie Entain (Bwin, PartyCasino), FDJ United (Unibet) und Evoke Plc (888). Entain begrüßte das Ergebnis öffentlich und erklärte, dass es ihre langjährige Position bestätige. Diese Entwicklung in der niederländischen Glücksspielregulierung steht im Gegensatz zu Deutschland und Österreich, wo Betreiber immer noch mit ähnlichen rechtlichen Herausforderungen konfrontiert sind.
Breitere Implikationen für europäische iGaming M&A
Diese Ereignisse zeichnen ein dynamisches Bild der europäischen iGaming M&A-Landschaft. Entains Desinvestition zeigt, wie nationaler Steuerdruck selbst den Verkauf profitabler internationaler Vermögenswerte erzwingen kann. Es unterstreicht einen Trend, dass Betreiber ihre Portfolios straffen, um sich auf Kernmärkte zu konzentrieren und die Bilanzen zu stärken.
Im Gegensatz dazu unterstreicht Banijays Strategie einen Vorstoß zur Konsolidierung und zur Schaffung mächtiger Omnichannel-Gruppen, die sowohl online als auch offline dominieren können. Diese aggressive Expansion, gepaart mit wichtigen Regulierungsentscheidungen wie der in den Niederlanden, wird die Wettbewerbsdynamik auf dem gesamten Kontinent weiterhin neu gestalten. Investoren und Betreiber werden diese strategischen Veränderungen gleichermaßen genau beobachten.




