Experten streiten über die Zukunft der Prognosemärkte-Regulierung
Die Regulierungslandschaft für Prognosemärkte ist derzeit ein Ideen-Schlachtfeld. Der Kernkonflikt wurde diesen Monat durch die Veröffentlichung von zwei einflussreichen Papieren scharf in den Fokus gerückt. Dieser neue Dialog stellt einen neuartigen Regulierungsrahmen etablierten Praktiken aus Jahrzehnten in der Sportwettenbranche gegenüber und hinterfragt die Grundlage, wie diese kontroversen Börsen beaufsichtigt werden sollten.
Auf der einen Seite hat Elie Mishory, der sowohl bei dem Prognosemarkt Kalshi als auch bei Regulierungsbehörden wie der CFTC und SEC Erfahrung gesammelt hat, eine neue Taxonomie für Informationen dargelegt. Auf der anderen Seite argumentiert der erfahrene Sportwetten-Manager Jon Russell, dass dies lediglich ein Neuerfinden des Rades sei, das die robusten Insiderhandels-Schutzmaßnahmen und Erkennungssysteme ignoriert, die im Sportwettenbereich bereits perfektioniert wurden. Diese Debatte ist entscheidend für die zukünftige Ereignisintegrität in diesen Märkten.
Mishorys Vorschlag: Ein neuer Rahmen für Informationen
Elie Mishory initiierte die Diskussion mit seinem Arbeitspapier „Information Asymmetry and Event Integrity in Prediction Markets: A Framework for the CFTC“. Er argumentiert, dass der Begriff „wesentliche nicht-öffentliche Informationen“ zu weit gefasst sei und dass sich die Regulierungsbehörden stattdessen auf die Art der Informationen selbst konzentrieren sollten. Sein Rahmen befasst sich nicht damit, ob Informationsasymmetrie existiert, sondern welche Art akzeptabel und welche missbräuchlich ist.
Mishory schlägt vor, Informationsvorteile in vier verschiedene Kategorien zu unterteilen, von denen jede einen anderen Regulierungsansatz erfordert. Diese detaillierte Klassifikation soll klarere Regeln für die wachsende Diskussion um CFTC Prognosemärkte schaffen.
Mishorys vorgeschlagene Informationskategorien
| Informationstyp | Definition | Vorgeschlagene Regulierungsmaßnahme |
|---|---|---|
| Gestohlen oder unrechtmäßig | Nicht-öffentliche Informationen, die gestohlen oder illegal verwendet wurden. | Ausdrücklich verboten. Mishory erklärt, dies belohne Kriminalität und untergrabe die Marktintegrität. |
| Kompetenzbasiert | Informationen, die durch die eigene legale Recherche, Analyse und Synthese eines Händlers gesammelt wurden. | Ausdrücklich erlaubt. Dies belohnt die persönliche Anstrengung und das Können eines Händlers. |
| Nicht-öffentliche Dritte | Informationen, die indirekt oder durch Beziehungen zu einem Ereignis erhalten wurden. | Erlaubt, aber mit Offenlegung auf Marktebene. Börsen müssen Händler warnen, dass einige Teilnehmer diesen Vorteil haben könnten. |
| Eigene nicht-öffentliche Informationen | Informationen, die einem Teilnehmer am zugrunde liegenden Ereignis direkt bekannt sind. | Generell erlaubt. Mishory vergleicht dies mit Managern, die Aktien des eigenen Unternehmens handeln, ein Standardmerkmal der Finanzmärkte. |
Entscheidend ist, dass Mishory diese Informationsfragen von der tatsächlichen Ereignismanipulation trennt. Er argumentiert, dass Personen, die ein Ereignis direkt beeinflussen können, wie Spieler, Trainer oder Schiedsrichter, eine andere Art von Risiko darstellen. Diese Akteure sollten „personenbezogenen Verboten“ unterliegen, um sie daran zu hindern, mit Ereignissen zu handeln, die sie kontrollieren können, unabhängig davon, was sie wissen.
Russells Widerlegung: Taxonomie ist keine Erkennung
Als Antwort darauf veröffentlichte der langjährige Sportwetten-Manager Jon Russell ein Papier mit dem Titel „From Taxonomy to Detection.“ Russell stimmt Mishorys Kategorien zu, argumentiert jedoch, dass der Rahmen unvollständig sei. Er beschreibt zwar effektiv, wonach Regulierungsbehörden suchen sollten, bietet aber keine Anleitung, wie es zu finden ist.
„Die Taxonomie sagt Ihnen, wonach Sie suchen. Sie sagt Ihnen nicht, wie Sie es finden“, bekräftigte Russell. Er betont, dass Überwachungssysteme nicht direkt beobachten können, ob Informationen nicht-öffentlich sind; dieser Status muss aus dem Marktverhalten abgeleitet werden, was ein unvollkommener Prozess ist.
Russell weist darauf hin, dass Informationen aus vielen verborgenen Quellen in Märkte „einsickern“ können. Zum Beispiel könnten ein Mitarbeiter einer Spielshow und ein Mitarbeiter eines Drittanbieter-Telekommunikationsunternehmens beide Insiderinformationen über Ausscheidungsergebnisse haben. Ein Erkennungssystem sieht nur ungewöhnliche Handelsmuster, wodurch es extrem schwierig ist, die Geschäfte ohne eine robuste Ermittlungsinfrastruktur mit ihrer Quelle zu verbinden.
Prognosemärkte vs. Sportwetten: Das Rad neu erfinden?
Der Kern von Russells Argumentation ist, dass die Debatte über Prognosemärkte vs. Sportwetten die Geschichte ignoriert. Er behauptet, dass die regulierte Sportwettenbranche die letzten 20 Jahre damit verbracht hat, genau jene Erkennungs- und Durchsetzungsinfrastruktur aufzubauen, die den Prognosemärkten derzeit fehlt. Dazu gehören Datenfeeds, Alarmsysteme, Informationsaustauschvereinbarungen mit Event-Eigentümern und etablierte Untersuchungsprotokolle.
Dieses etablierte System fehle laut Russell „fast vollständig in der aktuellen politischen Debatte über Prognosemärkte.“ Dies wirft ernsthafte Fragen bezüglich der CFTC auf, die einen neuen Regelsetzungsprozess für Prognosemärkte einleitet. Da der einzige amtierende Kommissar Michael Selig den Prozess leitet und die Behörde mit Personalengpässen zu kämpfen hat, steht ihre Fähigkeit, Märkte aus den Bereichen Finanzen, Politik und Sport angemessen zu überwachen, auf dem Prüfstand.
Die gesamte Diskussion deutet darauf hin, dass Prognosemärkte, obwohl sie sich als neues Finanzinstrument präsentieren, möglicherweise dieselben Integritätsherausforderungen wiederholen, die Sportwetten bereits seit Jahrzehnten gelöst haben. Der Weg nach vorn für die Regulierung von Prognosemärkten wird davon abhängen, ob Regulierungsbehörden von Grund auf neu aufbauen oder aus den hart erkämpften Erfahrungen einer benachbarten Branche lernen.





